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Weißenhofsiedlung

Weissenhofsiedlung  / Stuttgartbild Nr. 22016024
Weissenhofsiedlung | ©: crimson - Fotolia

Weissenhofsiedlung  / Stuttgartbild Nr. 22016038
Weissenhofsiedlung | ©: crimson - Fotolia

Ein ganz besonderes Zeugnis deutscher Architekturgeschichte ist die Weißenhofsiedlung in Stuttgart. Sie ist eine der ersten Siedlungen, die nach einem völlig neuen Stadtbild entworfen wurden, und die nicht natürlich gewachsen sind. Zunächst zur Namensgebung: Der Name Weißenhofsiedlung stammt von einem Bäcker namens Georg Philipp Weiß ab, der im Jahr 1779 einen landwirtschaftlichen Betrieb auf dem betreffenden Gelände errichtete und damit der Erste war, der dieses Areal erschloss.

Viele Jahre später - im Jahr 1927 - wurde vom Deutschen Werkbund eine Ausstellung initiiert, die den wenig aussagenden Namen „Die Wohnung“ trug. Sinn und Zweck des Ganzen war, ein Beispiel in realer Größe zum Thema „Modernes Bauen“ zu präsentieren, an dem sich andere Städte und Gemeinden ein Beispiel nehmen konnten. Dazu wurde die Siedlung nicht nur komplett auf dem Reißbrett vorgeplant, sondern auch die Gebäude zum Teil unter Verwendung innovativer und neuer Materialien errichtet.

Das gesamte Vorzeigeprojekt konnte schließlich in der Rekordzeit von nur 21 Wochen fertiggestellt werden. In dieser Zeit entstanden genau 21 Häuser, in denen sich insgesamt 63 Wohnungen befanden. Als absolut charakteristisch galten die weißen Dachterrassen der einzelnen Gebäude, die der gesamten Siedlung jedoch in späterer Zeit noch fast zum Verhängnis werden sollten.

Es ergab sich in der Zeit des Nationalsozialismus, als die Bevölkerung zunehmend begann, die gesamte Weißenhofsiedlung und ihre Bewohner abfällig als „Araberdorf“ zu bezeichnen. Woher diese Intention kam, kann heute nicht mehr abschließend nachvollzogen werden. Experten vermuten jedoch, dass es insbesondere die bereits genannten weißen Dachterrassen waren, die einen Bezug zur arabischen Bauweise herstellten und somit unfreiwillig für die Anfeindungen verantwortlich waren. Nach und nach reiften sogar Pläne, die gesamte Siedlung abzureißen. Dafür musste sie jedoch erst einmal an das Deutsche Reich verkauft werden, was für den Zeitpunkt des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges vorgesehen war. Durch den beginnenden Krieg kam dieses Vorhaben dann allerdings – zum Glück - doch nicht mehr zustande.

Da in der Siedlung im Zweiten Weltkrieg ein Flugabwehrgeschütz installiert war, und dieses des Öfteren ein Ziel feindlicher Luftangriffe darstellte, wurden etliche Gebäude in der Weißenhofsiedlung während dieser Zeit zerstört. Auch nach Ende des Krieges ging die Zerstörung weiter: selbst leicht beschädigte Gebäude wurden abgerissen oder so umgebaut, dass sie fortan eine völlig andere Optik boten. Das Ganze dauerte bis zum Jahr 1958, als die Siedlung schließlich unter Denkmalschutz gestellt wurde. Die verbliebenen Gebäude konnten nun nicht mehr einfach umgebaut oder abgerissen werden.

In den folgenden Jahren tat sich jedoch zunächst nicht viel. Es dauerte schließlich bis in die 80er-Jahre, ehe die noch verbliebenen Häuser saniert werden konnten. Das änderte jedoch nichts an den Unstimmigkeiten, die sich seitdem rund um die Weißenhofsiedlung ergaben. Mehrere Institutionen meldeten Interesse daran an, die Häuser in der Siedlung – oder zumindest einen Teil davon – gemäß ihren Vorstellungen zu nutzen. So zum Beispiel die Staatliche Akademie der Bildenden Künste. Obwohl die Stadt Stuttgart dieses Vorhaben befürwortete, lehnte das Land Baden-Württemberg es schließlich ab. Seit Beginn des neuen Jahrtausends plant der Bund, die Häuser der Weißenhofsiedlung zu veräußern. Wieder gab es Streitigkeiten, insbesondere über die Frage, ob die Gebäude einzeln oder als Ganzes verkauft werden sollen. Eine endgültige Entscheidung ist bis heute noch nicht getroffen worden.

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