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Bohnenviertel

Ein Kleinod ganz besonderer Art in der baden-württembergischen Landeshauptstadt ist das Bohnenviertel. Hier kommen vor allem Menschen auf ihre Kosten, die das Unkonventionelle, vielleicht auch etwas Verrückte lieben. Seit jeher sind die Bewohner des Bohnenviertels für ihre außergewöhnliche Lebensweise bekannt, die Mischung aus unzähligen verschiedenen Berufen, Ständen, Interessen und ethischen Hintergründen sprach schon immer Bände.

Ein kurzer Exkurs in die Geschichte des Bohnenviertels:

Der genaue Entstehungszeitpunkt des Bohnenviertels ist heute nicht mehr bekannt. Es muss sich irgendwann im 15. Jahrhundert ergeben haben, dass der Platz innerhalb der Stadtmauern von Stuttgart zu wenig wurde. Kurzerhand begann man, insbesondere die ärmeren Bewohner sowie solche, die neu in die Stadt kamen und sich hier niederlassen wollten, aber nicht über die entsprechenden Mittel verfügten, um sich eine standesgemäße Behausung anzuschaffen, vor die Stadtmauern zu verfrachten. Genau hier entstand in der Folge das Bohnenviertel.

Schnell etablierte sich dieser Name in der Bevölkerung. Er gründet auf die Armut der Bewohner des Viertels, die im ausgehenden Mittelalter (und auch in den Jahrhunderten danach) oftmals Bohnen in ihren kleinen Gärten anpflanzen mussten, um überhaupt etwas zu essen zu haben. Für den Winter wurden die Bohnen dann getrocknet, indem man sie einfach an Schnüren an den Häusern aufhängte. Besucher des Viertels bekamen also vielfach zuerst die Bohnen zu sehen, und so lag der Name Bohnenviertel nahe.

Mit den Jahrhunderten veränderte sich das Bohnenviertel allerdings auch nachhaltig. Zwar hielt hier nicht gerade der Geldadel Einzug, dennoch waren es im 18. und 19. Jahrhundert vor allem Handwerker und Weinbauern, die hier lebten. Schließlich lag das Viertel zu dieser Zeit auch nicht mehr außerhalb der Stadtgrenzen Stuttgarts, sondern war durch das rasante Wachstum der Stadt quasi eingemeindet worden. Ein erster Wohlstand kam dann auf, als der Platzbedarf in der Stadt immer größer wurde und die Weinbauern in diesem Zuge begannen, ihre Anbauflächen als Bauland zu verkaufen. In der Folge wurden viele von ihnen Kaufleute, sie bildeten mit den ebenfalls dort ansässigen Handwerkern aller Art eine zumeist friedliche Koexistenz.

Ein Einschnitt ergab sich allerding durch den Zweiten Weltkrieg. Da das Bohnenviertel mitten in Stuttgart liegt, wurde es zu einem bevorzugten Angriffsziel der Alliierten und musste unzählige Bombenangriffe über sich ergehen lassen. Die entsprechenden Zerstörungen waren verheerend, ganze Straßenzüge nach Kriegsende quasi nicht mehr vorhanden. Da der Fokus bei den Wiederaufbauarbeiten in den Nachkriegsjahren jedoch zunächst auf die wohlhabenderen Areale der Stadt gelegt wurde, tat sich im Bohnenviertel wenig und es verfiel in der Nachkriegszeit zusehends. In den 70er-Jahren reifte schließlich der Plan, aus dem Bohnenviertel etwas ganz Anderes zu machen. „Soziales Wohnen im Grünen“ lautete die Devise, fast das gesamte Viertel sollte durch Neubauten ersetzt werden. Glücklicherweise setzten sich letztendlich die durch, die den behutsamen Neuaufbau des Viertel im alten Stil unter Beibehaltung möglichst viel originaler Bausubstanz forderten.

Bis heute konnte sich das Bohnenviertel einiges von seinem ursprünglichen Charme bewahren. Man findet immer noch kleine unabhängige Handwerksläden, Trödelhändler, urgemütliche Kneipen und Cafés sowie die in dieser Gegend obligatorischen Weinstuben. Als Besucher sollte man die Stadt Stuttgart nicht verlassen, ohne einen Abstecher ins Bohnenviertel gemacht zu haben.

Adresse:

Bohnenviertel, 70180 Stuttgart

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